„Von dem muss ich mir erstmal ein Bild machen“ – Das Soziale Panorama

Wie stehen Menschen zueinander – und wie stehe ich zu mir?

„Was tun Sie“, wurde Herr K. gefragt, „wenn Sie einen Menschen lieben?“ „Ich mache einen Entwurf von ihm“, sagte Herr K., „und sorge, daß er ihm ähnlich wird.“ „Wer? Der Entwurf?“ „Nein“, sagte Herr K., „der Mensch.“ (Bertolt Brecht)

Das von Lucas Derks entwickelte Modell des Sozialen Panorama ist sozusagen die „Sozialpsychologie des NLP“. Die Grundannahme ist, dass die „im Kopf“ konstruierten Bilder von Beziehung bedeutungsvoller für menschliche Interaktion und Kommunikation sind als die realen Begegnungen von „echten“ Menschen.

Die Grundidee des Sozialen Panorama: Alles nur in meinem Kopf

Soziale Vorstellungen machen wir uns anhand Innerer Bilder: Beziehungen werden durch Innere Bilder stabil repräsentiert – nicht durch konkrete (vakog) Erfahrungen mit konkreten Menschen. Ich konstruiere „in meinem Kopf“ (mental space) die Beziehung, die ich zu einem anderen Menschen habe. In meinem mental space repräsentieren Personifikationen die Menschen meines Lebens.

„Wenn ich an den schon denke!“: Personifikationen sind Wahrnehmungsfilter

Menschen reagieren nicht auf das, was wirklich passiert, sondern auf das, von dem sie glauben/phantasieren/sich einbilden, dass es passieren müsste

Diese Wirklichkeitskonstruktion bestimmt die konkrete Interaktion und wirkt als Wahrnehmungsfilter.

Nicht die konkrete Begegnung mit einem Menschen bestimmt mein Empfinden und Handeln sondern das Bild, das ich mir von diesem Menschen gemacht habe. Dieses Innere Bild, die Personifikationen, das Soziale Panorama ist immer meine Wirklichkeit, nicht DIE Realität – wenn man so will, ist das mind fuck, eine Alltagstrance, eine imaginierte Story. Diese Wirklichkeitskonstruktion neigt zu Selbsterfüllenden Prophezeiungen.

Konflikte und Probleme mit Anderen sind v.a. Probleme mit deren sozialer Repräsentation in meinem mental space: Unangenehme Begegnungen werden aufrecht erhalten und stets wiederholt, so kommt es zu imaginären Streitgesprächen, zur Vorwegnahme zukünftiger Begegnungen als unangenehm, als „k-minus“ (Sie kennen die Geschichte vom Hammer von Watzlawick?) und zu einem Verharren in der Kränkung. Deshalb führen „klärende Gespräche“ auch häufig nicht zu einer für alle befriedigenden Lösung!

Die AnderPersonifikationen – also die Vorstellungen von einem Anderen in meinem mental space – bestimmen die Wahrnehmung der Realität (Figur-Grund) und damit die konkrete Interaktion (durch wechselseitige Erwartungshaltungen, einen spezifischen Wahrnehmungsfokus und Fokus der Aufmerksamkeit) und das soziale Erleben (Gefühle, State = Zustand – und damit den Zugriff auf Ressourcen und Erinnerungen).

Ich und die Anderen in meinem mental space: Das Soziale Panorama ist ein mentales Hologramm

In meinem Sozialen Panorama (= Gesamtheit der potentiell abrufbaren Personifikationen) sehe ich die Personifikationen von konkreten Menschen in einer bestimmten Relation zu meiner Selbst-Personifikation (also zu meinem Selbstbild). Ich gebe diesen AnderPersonifikationen einen bestimmten Ort in meinem „mental space“ (= Lokalisation).

Die Lokalisation im Sozialen Panorama erzählt von der Beziehung: Ort ist Beziehungsaussage

Diese Lokalisation bestimmt die Beziehung, die ich zu diesen Menschen habe: Wo im Verhältnis zu mir, stehst Du?

Wir können dabei von relativ universellen Mustern ausgehen, die teilweise kulturspezifisch sind. Sie drücken sich auch in unserer Alltagssprache aus: Redewendungen erzählen von der Beziehung zu einem Anderen. Auch Zeigegesten, wenn über jemanden gesprochen wird, deuten darauf hin.

Die Lokalisation der AnderPersonifikationen im Verhältnis zu mir bzw. zu meiner SelbstPersonifikation bestimmt die gefühlte Qualität der geglaubten und erlebten Beziehung. Bei jedem Menschen ist eine bestimmte Lokalisation im mental space verbunden mit einem bestimmten emotionalen Erleben: In unterschiedlichen kontextabhängigen Sozialen Panoramen werden die selben Positionen von Beziehungsgleichen besetzt („der, den ich mag steht immer…“)

Die Vertikale (die Größe und Höhe) kodiert das Maß der erlebten Macht und Dominanz. Das Richtmaß ist „die Augenhöhe“. Sie erzählt vom sozialen Einfluß einer Personifikation auf mich und von dem Status, dem ich jemanden zuschreibe

Bei wem fühl ich mich „so klein mit Hut“, weil er „auf mich herab schaut“ – und mit wem arbeite ich auf Augenhöhe zusammen? Wer schaut eigentlich zu mir auf?

Abstand (Nähe und Distanz) kodiert das Maß der Intimität und erzählt davon, wie intensiv eine Beziehung ist. Die Intensität der Gefühle nimmt mit der Entfernung ab.

Wer steht mir nahe, wer ist auf Abstand zu mir?

Die Horizontale (die Richtung im Raum – „12 Uhr“) kodiert das Maß der Aufmerksamkeit, das der Personifikation zu teil wird.

„Ich lasse D links liegen“ ist anders als „F, der sich in den Mittelpunkt drängt“, und auch anders als „G, die immer an meiner Seite ist“ oder als der Schulleiter, der mir immer den Rücken frei hält

  • Rechts – meistens (!) positiv besetzt: freundlich, „gut“
  • Links – meistens (!) negativ besetzt: unfreundlich, „böse“
  • Vorne – Das ist der Bereich der verstärkten Aufmerksamkeit – der Mittelpunkt meiner Wahrnehmung
    • Die SelbstPersonifikation sehe ich in meiner Vorstellung immer „auf 12 Uhr“
    • Eine AnderPersonifikation „auf 12 Uhr“ in „Kussnähe“ (also ca. 1 m) ist entweder mein Intimpartner oder jemand, von dem ich mich massiv gefährdet fühle, der meine Grenzen verletzt und als übergriffig wahrgenommen wird.
    • Konkurrenz spielt sich auch „auf 12 Uhr“ in größerer Entfernung ab.
  • Hinten – hier ist das, was ich nicht beachte (das aber mich sieht…) und dem ich kaum Aufmerksamkeit gebe; Hier ist sowohl mein Unterstützungssystem im intimen Nahbereich wie auch „das, was mir im Nacken sitzt“.

Die Helligkeit und die Schärfe/Klarheit der inneren Wahrnehmung kodiert das Empfinden emotionaler Sicherheit und erzählt von Angst und Geborgenheit

Die im Dunkeln sieht man nicht und manchmal kann ich jemand im Nebel nicht erkennen – anders als die Lichtgestalten in der prallen Sonne…

Die gefühlte Verbindung – das „Dazwischen“ – kodiert die Stärke und Qualität der emotionalen Verbundenheit

Wem fühle ich mich verbunden – in welcher Beziehung „ist eine Tür zugegangen“ – Wie ist der Raum zwischen der SelbstPersonifikation und der AnderPersonifikation gestaltet? Gibt es eine Verbindung oder sind da Hinternisse?

Die Beziehungen der AnderPersonifikationen im Sozialen Panorama

Die Blickrichtung der AnderPersonifikationen

  • Wohin schaut der – und was ist da (nicht)? Was fehlt da, was ergänzt werden kann? Wer gehört da hin?
  • Personifikationen, die 180 Grad voneinander abgewandt sind, drücken eine abgebrochene Beziehung aus.
  • Personifikationen, die in die selbe Richtung blicken, leben in Frieden miteinander. Das, worauf sie schauen kann Hinweise geben, um was (um welche Aufgabe, welchen Wert – metaphorische Personifikation) es in der Situation geht.
  • Personengruppen, die zusammen stehen, werden auch als zusammengehörig erlebt

Diese Kodierungen sind die kulturell geprägte, darin allerdings ziemlich universelle Grammatik unserer „Beziehungssprache“: Menschen mit gleicher kultureller Prägung repräsentieren Beziehung sehr ähnlich – und verstehen, was mit den Redewendungen gemeint ist. In einer Zeichnung oder Aufstellung verstehen wir, was der Andere ausdrückt – oder glauben das zumindest.

Das Erleben von Aufmerksamkeit, Dominanz, Intimität und Beziehungsqualität ist (scheinbar) selbstverständlich.

Und dennoch: Auch hier ist – wie bei den Augenzugangshinweisen – gerade bei Linkshändern gut zu kalibrieren!

Und wie seh’ ich mich selbst im Sozialen Panorama?

Wie gesagt: Von meinem „Wachbewusstsein“ aus „auf 12 Uhr“ – umso größer, heller, klarer und näher am „beobachtenden Ich“ die SelbstPersonifikation wahrgenommen wird, umso stärker ist das Selbstbild ausgeprägt.

Und was gibt es da noch im Sozialen Panorama?

  • SpirituellePersonifikationen: Gott und Verstorbene sind „im Himmel“ – auf der Bogenlinie oberhalb des sozialen Panorama. Auch Engel und Heilige – im Normalfall.
  • Personen, die nicht gesehen werden können, sind Introjekte… Die, die in meinem Herzen einen Platz haben… Das kann auf eine symbiotische Beziehung hinweisen – oder eben auf sehr große Nähe
  • Gruppen, die meist ohne konkrete Personen vorgestellt werden
  • Metaphorische Personifikationen (z.B. in Tiergestalt) verkörpern wichtige Aufgaben
  • Wenn ich einen Menschen als sehr ambivalent erlebe, kann es sein, dass ich mehrere AnderPersonifikationen für ihn auspräge, die dann auch an verschiedenen Orten sein können

Die frivole Annahme: Die Veränderungstheorie im Sozialen Panorama

Die Innere Repräsentation meiner Beziehungen, mein soziales Panorama, ist die Grundlage meines Verhaltens. Sie bestimmt, wie ich den konkreten anderen Menschen erlebe (= wahrnehme & deute) und wie ich auf ihn reagiere, in einer Situation agiere.

Es ist das, was ich selbst verändern kann (und in diesem Sinne kann ich „den Anderen“ halt doch ändern 🙂

Die frivole Annahme ist: Wenn ich mein inneres Bild (vakog int.) verändere, verändert sich die konkrete Interaktion mit diesem Menschen. Durch die veränderte Lokalisierung einer Personifikation in meinem Sozialen Panorama verändert sich das subjektive Beziehungserleben und damit (unbewußt) mein Verhalten.

Jede Veränderung der Lokalisation einer Personifikation geht einher mit einer Veränderung der erlebten Beziehung. Und auch umgekehrt gilt: Denke ich anders über einen Menschen, gestalte ich im Handeln eine Beziehung anders, dann verändert sich die Lokalisation.

! Im Sozialen Panorama können Personifikationen verschoben werden, Ressourcen hinzu gefügt werden UND NIEMALS etwas weggemacht werden!

Wofür ist das Soziale Panorama nützlich? 

  • Ich kann damit meine Innere Welt erkunden (Selbsterfahrung)
  • Konflikte im Außen („schwierige Schüler/innen und Kolleg/innen“, in Teams, Partnerschaften; blockierende Autoritätsbeziehungen auf Augenhöhe bringen) werden ohne Zutun des Anderen bearbeitbar („ich kann den anderen nicht ändern, aber mein Denken über ihn“): Kenne ich meine Inneren Vorstellungen vom Anderen, kann ich sie leicht verändern.
  • Dadurch, das sich unangenehme Gefühle anderen gegenüber reduziere kann ich hinkonkreten Begegnungen (Interaktionen) handlungsfähiger werden
  • Diese Art zu denken und zu beraten eröffnet Handlungsspielräume: Ich kann auch in ohnmächtig empfundenen Situationen handeln! Ich kann damit scheinbar selbstverständliche Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge durchbrechen, indem ICH aktiv bin – ich kann z.B. auch hinderliche Beziehungen zu „Gruppen“ (Lampenfieber…) verändern.
  • Ich kann im Sozialen Panorama auch an meinem Selbstbild arbeiten und an meinem Bedürfnis „dazu zu gehören“
  • In meinem Familienpanorama kann ich auch an meinen Kernthemen arbeiten

Wie kann ich mit dieser Idee vom Sozialen Panorama arbeiten?

Das Soziale Panorama ist im Wesentlichen Submodalitätenarbeit mit den kinästhetischen Submodalitäten Distanz, Größe, Lage im Raum und Blickrichtung (ähnlich der Aufstellungsarbeit) und den visuellen Submodalitäten Klarheit, Helligkeit und Farbigkeit.

Ich kann das (unbewusst entstandene) soziale Panorama verändern und anderen Menschen einen passenden, guten Ort geben – in meinem Kopf. Verfahrene Beziehungen können durch die Veränderungsarbeit (und wie immer: Würdigen! Ökocheck!) wieder „in gerade Bahnen“ gelenkt werden: ich kann für mich, in meinem Kopf eine Beziehung verändern: Menschen mehr oder weniger Macht (Status) zuschreiben, Barrieren aus dem Weg räumen…

Die Veränderung des sozialen Panorama geschieht v.a. durch das Verändern der Submodalitäten (einen Übermächtigen kleiner machen, einen Feind aus dem Dunkel holen…, einen zwielichtigen Gesellen klarer sehen…)

Übung 1: Ein situationsbezogenes = kontextabhängiges soziales Panorama erstehen lassen

  1. Kontext bestimmen

Wenn Du Deine Augen schließt und an diese Situation denkst, kannst Du vor Deinem Inneren Auge sehen, was es zu sehen gibt und Du hörst, was es zu hören gibt, Du spürst mit Deiner Haut, was es zu fühlen gibt und Du kannst wahrnehmen, wo in Deinem Körper jetzt im Moment am Deutlichsten ein Gefühl lebendig wird.

Um was geht es in dieser Situation, was ist das Thema? Wer und was gehört da unbedingt dazu – welche Personen und welche anderen Sachen (z.B. Aufgaben, Werte – Nominalisierungen abfragen)?

2) Tranceinduktion/Bühne eröffnen

Wende Dich mit Deiner Aufmerksamkeit dem Raum in Dir zu, in dem Deine Vorstellungen von den Menschen auf die Bühne kommen kann. Vielleicht entdeckst Du da einen wunderbaren Festsaal Deiner Vorstellungen oder ein ehrwürdiges Theater, vielleicht ist es auch ein Kino, in dem Du Dich gemütlich in den Zuschauerraum setzen kannst. Noch ist dieser Raum ganz leer und Du findest Deinen Platz im Zuschauerraum und kannst neugierig sein, was sich nun zeigen will. Die Bühne vor Dir ist leer und Du wirst sie nun füllen und wie ein Regisseur zuschauen, wie die Akteure der Reihe nach ihren Platz auf dieser Bühne einnehmen werden.

3) Das Soziale Panorama erstehen lassen

Welche Figur steht für Dich als …  (Kontext-Rolle – z.B. als Religionslehrerin im Lehrerzimmer; als Schülerin der 7ten Klasse) … auf dieser Bühne? Du siehst was es zu sehen gibt und der Reihe nach tauchen die Menschen auf, die für Dich jetzt hier in dieser Situation wichtig sind. Du kannst neugierig sein, wer da zuerst auftaucht vor Deinem Inneren Auge, auf der Bühne in Deinem Inneren Festsaal Deiner Vorstellungen.

Wer ist denn der erste, der in dieser Situation mit Dir zusammen hier ist?

Wie groß ist diese Person im Vergleich zu Dir? (Sitzt sie, steht sie…)

Wie nah bei Dir steht er? Oder wie weit weg?

In welcher Richtung von Dir aus (Zeigegeste oder Uhr-Metapher) befindet diese Person?

Wohin schaut diese Person?

Welche Farben kannst Du hier wahrnehmen? Wie hell oder wie dunkel ist es um ihn herum? Siehst Du diese Person klar und deutlich oder eher verschwommen oder in einen Farbfilter getaucht? Steht sie im Scheinwerferlicht oder an einer dunklen Stelle der Bühne?

(Was kannst Du vor Deinem Inneren Ohr hören – ist das laut oder leise?)

Was fällt Dir auf an dieser Person?

Was fällt Dir an dem Raum auf, der zwischen Dir und dieser Figur ist?

Und wer kommt nun noch dazu (Wiederum Interview/Submodalitäten abfragen)

Und wer noch?

4) MetaBlick auf das Ganze, die Aufstellung und das Thema

Was fällt Dir auf an dieser Szene in Deinem Festsaal Deiner Vorstellung? Fehlt Dir und diesen Personen auf dieser Bühne? Gibt es etwas, was sie verbindet? Wo steht etwas zwischen den Menschen?

Wenn Du als Regisseur dieses Szenenbild so anschaust: Was fällt Dir auf? Fehlt noch jemand? Oder fehlt noch etwas? Was erstaunt Dich an diesem Bild auf Deiner Inneren Bühne?  Was kannst Du wahrnehmen – wie ist die Beziehung zwischen den einzelnen Personen? Wie interagieren diese Personen miteinander? Welche Herausforderungen, Möglichkeiten und Perspektiven sind da enthalten? Welche Ressourcen und Entwicklungsmöglichkeiten stecken in diesem Szenenbild? Glaub mir: Es gibt welche!

Was meinst Du: Was von all dem, was Du da wahrnehmen kannst, welche der vielen vielen Informationen, die Dir das Bild gibt hat eine wichtige Bedeutung?

Abschluß:

Erzähl, was es zu sehen gibt und wenn Du magst, zeichne diese Szene, die sich da im Festsaal Deiner Vorstellung abspielt. Wie geht für Dich – bezogen auf Dein Thema/die Ausgangssituation – der Satz weiter: „Wenn das so ist, dann…“

Übung 2: Das soziale Panorama zur Arbeit an einem Konflikt – Veränderungsarbeit

  1. Kontext bestimmen
  2. Tranceinduktion/Bühne eröffnen
  3. Das Soziale Panorama auf die Bühne bringen
  4. MetaBlick auf das Ganze, die Aufstellung und das Thema
  5. Zielarbeit und Ökocheck

Wenn Du das so siehst, wie geht für Dich dann der Satz weiter „Wenn das so ist, dann…“

Was wünscht Du Dir jetzt?

Wunderfrage – Über Nacht geschieht ein Wunder… Woran erkennst DU, dass dieses Wunder geschehen ist

Du weißt, dass Du diese Situation zu einer guten Lösung bringen kannst – Wenn eine Lösung da ist, wie schaut Dein Szenenbild denn dann aus?

Du bist hier der Herr im Haus, Du bist der Regisseur: Du kannst und Du darfst dieses Szenenbild verändern – Wie soll es sein? Was wird dadurch möglich? Woran merkst Du, dass eine Veränderung passiert ist?

Aber bevor Du etwas veränderst, bevor Du die Akteure bittest, an einen anderen Ort zu gehen oder sich anders zu verhalten: Was ist eigentlich das Gute an dieser ursprünglichen Szene? Was wird dadurch möglich? Was passiert nicht, weil die Personen so zueinander stehen, wie sie nun eben stehen? Was wäre denn nicht gut, wenn Dein Wunsch-Bild Wirklichkeit werden würde? Was würde denn dann anders werden? Für wen wäre das wirklich unangenehm? Welche Konsequenz müsstest Du dafür tragen – und: Willst Du das wirklich?

Finde ein Lösungsbild, mit dem Du wirklich, wirklich zufrieden bist und für das Du den Preis der Veränderung wirklich gerne zahlen möchtest. Dann lade den Wind of Change ein und schau, was es vielleicht noch an Zusätzlichem braucht, damit diese Szene in Deinem Theater, auf Deiner Bühne sich zum Guten verändern kann.

6. Veränderungsarbeit/Hinzufügen von Ressourcen

Verändere nun das Szenenbild, Person für Person – Stück für Stück, mach langsam und achte achtsam auf das, was sich verändert!

Ideen:

    • Größe verändern (Stuhl, Hocker, setzen lassen…)
    • Blickrichtung verändern
    • Position im Raum – auch im Verhältnis zur SelbstPersonifikation verändern
    • Hindernisse wegräumen/starke Verbindungen schwächen
    • Scheinwerfer neu justieren…

Wenn Du merkst, einer Deiner Akteuere braucht eine Fähigkeit (oder eine Ressource), die er irgendwie nicht hat – dann erinnere Dich an eine Situation in Deinem Leben, in der Du diese Fähigkeit hattest. Vergegenwärtige, wie Du das, was Du da konntest, erlebt hast (wo bist Du da, was hast Du getan, höre, was es zu hören gibt und sehe, was es zu sehen gibt, spüre die Kraft die in Dir steckt) und wie Dich diese Fähigkeit einhüllt wie eine Wolke aus buntem Licht. Bündle diese Energie in Deiner Hand und werfe Deinem Akteur diesen Fähigkeiten-Energie-Licht-Ball auf die Bühne zu, so dass er ihn gut fangen kann. Du kannst diese Kraft auch wie mit einem Lichtstrahl schicken, so dass dieser Akteur ganz und gar davon eingehüllt ist und diese Kraft und Fähigkeit in sich aufnimmt.

Und wenn es gut ist, schau nochmal auf dieses neue Bild: Was denkst Du jetzt darüber und über die konflikthafte Situation: „Wenn das so ist, dann…“ – Was ist nun möglich? Was ist nun wahrscheinlicher?

ACHTUNG: Lösche niemals (!) eine Personifikation – das wäre „Mord“! Gib ihr einen guten Platz im Sozialen Panorama und würdige sie mit einem Strauß Blumen (es müssen ja nicht die Schönsten sein…).

Übung 3: Selbstbild-Arbeit mit dem Sozialen Panorama bzw. mit der SelbstPersonifikation

1)Kläre den Kontext, Dein Ziel und die Ökologie:

Für welche Situation möchtest Du an Deinem Selbstbild etwas verändern? Lass die Situation in Dir lebendig werden: Wo bist Du da? Wer ist bei Dir? Wer ist um Dich herum und wie genau ist das? Du hörst was es zu hören gibt, Du siehst, was es zu sehen gibt und Du spürst, was Deine Haut in dieser Situation wahrnimmt. Was denkst Du über Dich und über die Anderen, über die Welt im Allgemeinen und im Besondern?

Und richte nun Deine Aufmerksamkeit wieder ins Außen: Erzähl mir, wer bist Du in dieser Situation?

Wer bist Du da? Wie erlebst Du Dich da bisher – wie soll es stattdessen sein?

Was wäre die Konsequenz, wenn Du Dich veränderst: Wem wirst Du damit unähnlicher? Zu wem gehörst Du, wenn alles so bleibt, wie es ist? Willst Du diese Veränderung mit ihren Konsequenzen wirklich?

2) Lass noch einmal diese Situation in Dir lebendig werden, Du hörst, was es zu hören gibt, Du siehst, was es zu sehen gibt – Wo in Deinem Körper nimmst Du grade jetzt im Moment Dich selbst am Stärksten wahr? Welches Gefühl ist da in Dir lebendig? Welche Farbe und welche Form hat diese Energie jetzt im Moment?

Lass diese Energie jetzt hier im Raum Gestalt gewinnen und sei neugierig, welches Bild hier entsteht. Schau Dir an, was Du hier sehen kannst und erzähl doch mal, wie Du es Dir stattdessen wünscht. Was braucht dieses Bild von Dir, damit es Dir selbst und Deinem Wunsch ähnlicher wird (Submodalitäten – Helligkeit, Größe, Freiraum… verändern; Ressourcen hinzufügen („was nährt Dich“) Unterstützungssystem (wenn wünscht Du Dir in Deiner Nähe?).

Nimm diese veränderte Energie wieder in Dich auf und sei neugierig, was in Dir passiert? Wo im Körper spürst Du eine Veränderung, was macht den Unterschied aus? Was ist jetzt möglich?

3) Future Pace:

Denke an die Situation von der Du erzählt hast, sie wird ja bald wieder Realität sein. Du hast in Dir nun eine gestärkte Energie, die Dir vieles möglich macht: Vergegenwärtige Dir die Situation und sei neugierig, was sich verändert hat: Wo bist Du in dieser Situation? Wer ist bei Dir? Wer ist um Dich herum und wie genau ist das?  Du hörst, was es zu hören gibt und Du siehst, was es zu sehen gibt. Wie fühlst Du Dich nun in Deiner Haut?

Vorübung, um Freiraum zu schaffen für das Soziale Panorama (aus dem focusing und der Welt von Harry Potter)

Was hindert Dich jetzt im Moment daran, Dich glücklich und frei zu fühlen?

Wende Dich mit Deiner Aufmerksamkeit dem zu, was Dich jetzt gerade hindert und spür hin, wie genau sich das anfühlt in Dir, wo in Deinem Körper spürst Du das im Augenblick? Kannst Du entdecken, welche Farbe das hat und in welcher Form sich diese Energie gerade eben zeigt?

Stell Dir vor, Du hättest eine Zauberstab, mit dem Du diese Gedanken und diese Energie aus Dir heraus ziehen kannst – die Energie folgt Deinem Zauberstab und Du kannst ihm einen guten Ort geben, *Denkarium, an dem sie gut aufgehoben sind und bis Du sie wieder in Dich hinein zaubern wirst. Stell Dir vor, dort in der Ecke steht ein Glasbehälter mit Wasser – wenn Du die Energiefäden aus Dir heraus zauberst und sie in dieses Glasbecken gibst, gerinnen Sie und Du kannst sie betrachten und bewundern – und später wieder in Dich herein nehmen, oder sie auch hier lassen .

 

FAQ Das Soziale Panorama

Ist das Soziale Panorama schwierig zu lernen?

Nein! Nimm es als Spiel – und achte darauf, dass keine der Personifikationen „schlecht behandelt“ wird: Würdige jede Personifikation; verbanne niemanden; bring Ressourcen ins Spiel, nicht Gewalt.

Sind die Personifikationen die konkreten Menschen, mit denen ich zu tun habe?

Nö 🙂

AnderPersonifikationen sind das Bild, das ich mir von einem konkreten anderen Menschen (oder von Gruppen…) gemacht habe. Aus konkreten Begegnungen und Erfahrungen mit ihnen entsteht durch Generalisierung, Tilgung und Verzerrung diese AnderPersonifikation. Es bildet also nie die Realität ab, vielmehr kommt darin meine Wirklichkeitskonstruktion zum Ausdruck. Die stabilen Vorstellungen über einen anderen Menschen sind transkontextuelle bzw. dekontextualisiere Personifikationen, die relativ unabhängig von realen vakog-Situationen sind. Aus der Begegnung bleibt ein kleiner Teil der gesamten Persönlichkeit des Anderen in mir repräsentiert – nämlich der, der für mich wichtig ist (k-plus oder k-minus). Meine Beziehung zu einem anderen Menschen wird also nicht durch Erinnerungen gesteuert, sondern durch das Bild, das ich mir von ihm gemacht habe. Personifikationen sind also erlernte und lebensgeschichtlich geprägte Interaktionserfahrungen, die reduziert werden auf meine beliefs, auf meine Vorstellung vom Menschen, mir selbst und der Welt.

Das macht es auch sehr leicht verständlich, weshalb starke Emotionen aus der Begegnung mit Anderen, z.B. Konflikte oder Liebe, noch lange auf meine Stimmung, meinen State, nachwirken: diese Beziehungsqualität gilt nicht nur für das „hier und jetzt“ der Begegnung, sondern wird in meinem mental space repräsentiert: Die allermeiste Zeit leben wir Beziehung also in unserem Kopf! Deshalb ist der Ärger über einen Menschen nicht weg, wenn ich ihn nicht sehe, sondern immer lebendig, wenn ich an ihn denke!

Meine SelbstPersonifikation ist doch die Realität – so bin ich doch, oder?

Naja…

Wie soll ich das zeichnen?

Wenn es nicht hübsch sein soll: Ein Oval als Bühne und zwei Bögen zur Begrenzung der Decke; Nasen als Dreiecke in Blickrichtung; Selbstpersonifikation ausgemalt, Frauen mit rundem Körper, Männer mit dreieckigem Körper; Metaphorische Personifikationen als Quadrat. Pfeil nach oben und nach unten und geradeaus können die Vertikale darstellen, wenn Du magst auch eine Meter-Angabe und einen dicken oder dünnen Strich, der die Intensität der Beziehung anzeigt.

Aber weißt Du was: Du findest da für Dich ganz bestimmt einen guten Ausdruck deiner Inneren Erfahrung!

Wahrnehmung von anderen Menschen kann realitätsnäher werden

Realitätsnäher werden Beziehungen durch einen achtsame Begegnung im hier und jetzt, die sich bemüht die „normalen“ Filter zu überwinden und „alles“, aber zumindest „mehr“ einer Person wahrzunehmen.

Was noch ganz interessant sein könnte 🙂

Das Soziale Panorama ist „die Sozialpsychologie des NLP“. Es wurde von Lucas Derks entwickelt („Das Spiel sozialer Beziehungen“). Dieses Modell ist eine „Klassische Weiterentwicklung“ des NLP und kombiniert die Ressource- und Submodalitätenarbeit des NLP mit der der Raumgrammatik der Systemischen Aufstellungsarbeit. Die Basis ist ein konstruktivistisches Weltbild.

Die AnderPersonifikationen docken an meine primären Beziehungserfahrungen an. Aus der sinnesspezifischen Begegnung mit einem Menschen bleibt ein kleiner Teil der gesamten Persönlichkeit des Anderen in mir repräsentiert – nämlich der, der für mich wichtig ist (k-plus oder k-minus) und eine Antwort auf mein Lebensthema hat.

Innere Anteile (im Inneren Team) sind frühe SelbstPersonifikationen, die sich aus subjektiv erlebten Beziehungen in einem Generalisierungs-, Tilgungs- und Verzerrungsprozess gebildet haben.

Redewendungen: NLinguistischePrägung – Sprache ist Wirklichkeit!

Wie immer ist die Sprache (das Linguistische am NLP) ein wichtiger Hinweis, denn solche Beschreibungen sind immer auch Statusaussagen: Ich geh von mir aus (von wem auch sonst) und nehme meine Umwelt (bzw. Meine kognitiven Repräsentationen/meine mentalen Vorstellungen/meine Inneren Bilder) immer im Verhältnis zu mir selbst wahr und gebe ihnen (unbewusst) einen Ort in meinem Kopf, in meiner Vorstellung. Ich bzw. das Bild, das ich von mir habe, steht in der Mitte und rund herum (und oben drüber und unten drunter) finden sich alle Menschen mit denen ich zu tun habe. Manche nah, manche fern. Manche im Licht und sehr präsent, manche verborgen im Dunkeln. Je nachdem, wie ich dieses innere Bild gestalte (!) ist auch die zwischenmenschliche Beziehung geprägt.

So entsteht in mir ein lebendiges – soziales – Panorama: In welcher Beziehung ich zu einem Menschen stehe, drückt sich aus durch die Vorstellung, die ich von Ihm in mir abgespeichert habe. Wo und wie ich jemand vor meinem Inneren Auge sehe, bestimmt meine Beziehung zu ihm. Diese mentale Repräsentation bestimmt meine Wahrnehmung, mein Selbstbild, mein Denken über die Anderen und die Situation – und schließlich mein Handeln.

Vertikale

Mit Y arbeite ich auf Augenhöhe zusammen

X schaut auf mich herunter – Er wirkt sehr herablassend auf mich

B schaut zu mir auf -Er unterwirft sich mir

Wenn ich mit C zu tun habe,  fühl ich mich sooo klein mit Hut

Ich werde mit Füßen getreten

Der ist doch unter meinem Niveau

Er ist mir zu nah getreten

Die da oben – wir hier unten

Der tanzt mir auf dem Kopf rum

Abstand (Nähe – Distanz)

Ich fühl mich Z nah

D und ich gehen lieber auf Abstand zueinander

Zu E halte ich lieber ein bisschen Abstand

Ich spüre Zuneigung zu ihm (ich neige mich jemanden zu – der Abstand verringert sich) auch: Er ist sehr entgegenkommend

Die G rangiert unter „ferner liefen“

Er ist mir auf die Füße getreten

Horizontale

Ich lasse D links liegen

Sie lässt mich einfach links liegen

F drängt sich immer in den Mittelpunkt

G steht immer an meiner Seite

Mein Schulleiter steht hinter mir, er hält mir den Rücken frei

Er stärkt mir den Rücken

Die Konrektorin fällt mir in den Rücken

Er steht hinter mir

Den schau ich mit dem Arsch nicht an

Sie sitzt mir im Nacken

Wir stoßen immer wieder zusammen

Helligkeit

L ist ein zwielichtiger Geselle

Die im Dunkeln sieht man nicht

Das Licht unter den Scheffel stellen

Jetzt seh ich ihn in einem anderen Licht

Mein Schulleiter ist ein bunter Vogel, meine Kollegin ein graues Mäuschen

Er ist ein groß(artiger) Kollege – eine Lichtgestalt

Das Dazwischen

Er hat das Band zwischen uns zerschnitten

Da ist eine Tür zwischen uns zugeschlagen

Ich fühle mich mit H sehr verbunden

Zwischen A und mir ist eine Wand

SoziaDie Beziehung ist sehr einseitig

Q steht zwischen uns beiden

Da ist etwas aus der Bahn gelaufen

Und natürlich kombinieren sich die Lokalisationsfaktoren auch:

Mit M werde ich nicht richtig warm, ich komm nicht in Kontakt mit ihm

Er zeigt mir die kalte Schulter

Zwischen uns sind Welten/uns trennen Universen

Sie hat einen Platz in meinem Herzen

Ich kann ihn nicht mehr sehen!

Das habe ich hinter mir gelassen

Wir sind eine Front zu den anderen

Der Mann an meiner Seite

Er steht auf meiner Seite

Wie stehst Du eigentlich zu mir?

 

 

Photo by Julien Andrieux on Unsplash

Das Soziale Panorama

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