Ein Problem ist die Differenz zwischen dem was ist und dem, von dem ich meine, dass es sein soll. Manche nennen das auch Ziel.

Das was ich möchte, habe ich nicht. Jedenfalls nicht genug davon. Das ist ein Problem. Und das was ich habe, von dem ich vielleicht auch zuviel habe – damit bin ich nicht einverstanden. Das ist auch ein Problem.

Logisch, dass das bei jedem Menschen etwas anderes ist. Die Werte, die das Wollen bestimmen, sind unterschiedlich wichtig!

Diese Differenz – nennen wir es der Einfachheit halber „Problem“ – zeigt sich sinnesspezifisch an konkret wahrnehmbaren Dingen und fühlt sich an wie eine Einschränkung, wie eine Störung – oft schmerzhaft, manchmal schwach oder statisch-tot.

Die spontane Reaktion auf diesen Zustand ist meist ein „Das soll weg! Ich will das nicht!“

Dennoch: Es lohnt sich ein gelassener Blick auf diese Symptome dessen was wir Problem nennen. Ein – zumindest zeitweiliges – Einverstandensein damit, nicht zufrieden zu sein.

So kann klar werden, was ich eigentlich wirklich! will stattdessen und v.a.: Eine Klärung, was das Gute ist, das hinter diesen unliebsamen Symptomen steht. Denn: Wenn es nicht irgendetwas Gutes hätte, gäbe es dieses Problem nicht! Klar zu kriegen, was der Gewinn aus der als unangenehm bewerteten Situation ist, was ich dadurch u.U. vermeide. Und das darf so sein. Das ist nichts Böses. Man darf sich Probleme aufrecht erhalten – wenn man bereit ist den Preis dafür zu bezahlen und u.U. zu leiden. Daran ist nichts Verwerfliches.

Das zu würdigen was (für mich wirklich) ist, es wahrzunehmen und zu erforschen, was ich da wirklich sehe, denke und fühle, ist ein Abenteuer. Das anzuerkennen, was meine derzeitige Realität ist und zu entdecken, welche Glaubenssätze und Wirklichkeitskonstruktionen, welche „so-soll-es-doch-eigentlich-sein“-Vorstellungen darin verborgen sind, erst recht. Aber nur, wer dieses Abenteuer wagt, kann dann verantwortlich entscheiden, ob er weiterhin so denken und auf diese Weise die Realität bewerten will, oder ob er sein „es-sollte-anders-sein“ aufgeben und sich seiner Realität hingeben will – und es sich dann vielleicht und unter Umständen erlauben kann, sein Denken und Verhalten zu verändern und seine Umwelt zu gestalten: Ganz pragmatisch Dinge anders zu machen und zu denken als bisher.

Es geht darum, sich prinzipiell beides zu erlauben: Angesichts der Vermeidung eines befürchteten Schadens – oder mit dem verschämten Blick auf den doch auch vorhandenen Gewinn – das Problem aufrecht zu erhalten und u.U. zu leiden und damit vielleicht aber auch aufzuhören: Wer klar sehen will, muss manchmal auch Dinge sehen, die er lieber nicht sehen will.

Probleme lösen zu wollen, bevor wirklich klar und anerkannt ist, wofür sie gut sind, ist sinnlos. Kein Mensch muss sich verändern. 

Aber jeder darf. Und dass das gelingt wird wahrscheinlicher – und nachhaltiger -, wenn man „das Problem“ als wichtig und als Freund anerkennt, ihm Ansehen gibt und es nicht versucht, wegzujagen.

Was ist eigentlich ein Problem?
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